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UrUrOmis 95. Geburtstag - mit Vorspann!

Apfelsegen (von Tante Hildegard) Mitte August 2008
Die meisten Apfelbäume rund um Neustadt und darüber hinaus biegen sich unter der Last der Früchte, bei einer Reihe von alten Exemplaren haben wir schon große gebrochene Äste entdeckt - wie schade! Jeder Spaziergang artet in einen Apfeltest aus, weil es so viele verschiedene Sorten gibt - leider klebt nie ein Schildchen dran, so wie z.B. bei den gekauften Braeburns…(;-) Etliche Kilos der Paradiesfrüchte sind inzwischen verarbeitet und/oder verzehrt. Aber da kommt noch was auf uns zu!
Dabei gibt es natürlich auch Anderes zu tun, siehe oben: Die Reise nach Verden und so weiter. Und es ist für mich einfach zu schön, in huchi.de Neues zu entdecken, schon einmal Gelesenem neu nachzuspüren - und überhaupt Schritt für Schritt die Möglichkeiten dieser Kommunikationsmöglichkeit zu entdecken. Wie jetzt zum Beispiel, da ich nun soeben mein erstes Bild hoch geladen habe. Ha!
Nun aber zu dem versprochenen Kurzbericht über UrUrOmis 95. Geburtstag.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit so viel Kribbeln im Bauch an diesen Festtag heran gehen würde. Wieso eigentlich?? Total entspannend wirkte da Tante Hildegard, die selbstverständlich mit uns nach Verden reiste - sie hatte eine solche Freude an der Fahrt durch den Harz (wir nahmen die Route über Clausthal-Zellerfeld - Seesen) und genoss die ständig wechselnden Blicke auf die Berge und Ortschaften so von Herzen, dass meine Spannung allmählich nachließ… Es ist ja auch schon etwas Großes, wenn die Mutter 95 Jahre alt wird. Wir fuhren mittags los und waren ca. drei Stunden später am St.Johannis-Stift, wo T.H. erstmal ihr Gästezimmer aufsuchte. Kleiner Abstecher auf die Westseite der Aller mit dem Blick auf Verden (Sightseeing!) und dann zum Abendessen zu Antje am Nikolaiwall 22. Wie immer hatte meine Schwester den Tisch liebevoll vorbereitet - das kann sie einmalig gut - und hat uns köstlich bewirtet. Kleiner Abendspaziergang zu dritt, wir beide begleiteten T.H. zurück zum Heim und gingen dann auch zeitig hinauf in die Dachstube von Antjes Vermietern Mundt. Sie stellen den Raum immer wieder großzügig zur Verfügung, wenn Antje mehr Platz braucht, als in ihrer Wohnung vorhanden ist.
Rolf hatte noch an unserem Familiengeschenk für die Omi zu basteln, einem brandaktuellen kleinen Album mit neuen Fotos vom Familienfest am 7. August. Gegen Mitternacht war es fertig.
Und früh zu 8.00 Uhr war gemeinsames Frühstück im Johannis angesagt. Da waren wir nur zu fünft. Omi war von der Schwester zeitig genug geweckt worden und strahlte uns an:” Ach, na sowas, wo kommt IHR denn her?” Und strahlte noch mehr beim Ständchen “Die Mami hat Geburtstag…”. Und prompt kam hinterher: “Wer? Ich??” Sie sah süß aus in hellblau, mit schön frisierten Haaren und gesunder Hautfarbe. Was für eine Freude, sie so zu erleben!
Vom Haus war in einem hübschen Gemeinschaftsraum ein fürstliches Frühstück vorbereitet worden - nur einen Bruchteil davon konnten wir bewältigen. Aber mit großem Vergnügen aß die Omi, wie immer, ihr Ei! Und machte dann, wie oft, ihre kleine Pause auf dem Zimmer.
Wir zeigten in der Zwischenzeit Tante Hildegard den Dom, in dem an diesem Sonntag kein Gottesdienst stattfand. Es ist ein großartiges Gebäude; wenn man den großen Bau mit dem überdimensionalen Dach und dem verhältnismäßig niedrigen Turm von außen sieht, ahnt man nicht, welch eine herrliche gotische Halle sich darunter verbirgt. Wir drei haben laut einen Choral gesungen, es klang wie dreißig Sänger, bei der Akustik…
Nach der Ruhepause trafen wir uns um 11.00 Uhr wieder am gleichen Ort, da trudelten dann auch Dr. Ludwig Püschel, Antjes Lebensgefährte, und seine Schwester Heti (aus Frankfurt/Oder) ein, und Sophie und Tim kamen aus Bremen; ehemalige Nachbarn aus Achim vertraten den Amselweg. Und dann ging’s los: Zwei Presse-Damen mit großen Fotoapparaten und die Bürgermeisterin traten auf. Das läutete den offiziellen Teil ein, mit kleiner Ansprache und vielen Blitzlichtern. Eine sehr schöne Urkunde wurde überreicht nebst einem dekorativen Blumenstrauß. Omi guckte manchmal ein bisschen verdutzt und brauchte gelegentlich einen Dolmetscher, aber sie beherrscht “die honneurs” doch noch fast perfekt. Sie hob formvollendet ihr Glas und prostete uns allen zu. Und den Dolmetscher brauchten nachher eher wir, als sie sich auf Englisch für den Staatsakt bedankte! Es gab Sekt mit und ohne Saft (UrUrOmi nahm ohne!) und Schnittchenplatten die Menge und Kaffee, alles griff beherzt zu. Das Stimmengewirr war beträchtlich, weil sich ja etliche Anwesende kannten und länger nicht gesehen hatten.
Nahtlos anschließend gab es Mittagessen! (Wer lacht da??) Wie es schon Tradition ist, hatte sich die Jubilarin Rührei mit Pfifferlingen gewünscht, der Koch kam mit zwei großen Platten voll von Beidem auf dem Wärmewagen, und- Ihr werdet es nicht für möglich halten: Unsere liebe uralte Omi aß ordentlich, und sogar hinterher noch Rote Grütze mit Vanillesoße! Ich hatte nach zwei Schnittchen vom Empfang vorher schon passen müssen, an Rührei wagte ich gar nicht zu denken…
Nun war aber wirklich große Pause angesagt, die Jubelfrau wurde ins Zimmer und zur Ruhe geleitet. Alles zerstreute sich, entweder um die Beine in Bewegung zu setzen und den vollen Magen anzuregen, oder um ein wenig zu entspannen. Antje war nach Hause gefahren, um noch einen Tortenboden zu belegen. Wir beiden, Heinke und Rolf, setzten uns in den Schatten eines Baumes vorm Johannis-Stift, es war sehr warm, und liefen schließlich auch noch ein wenig herum.
Um drei Uhr wurde es richtig voll! Achtzehn Personen freuten sich auf eine liebe alte Dame, die erstaunlich ausgeruht und orientiert wieder am Kopf der Tafel Platz nahm. Wunderschön und anrührend war anzusehen, wie sie ihre jüngste Schwester begrüßte: Ilse-Marie war mit Ullachen von Weyhe gekommen, wo Tante Ulla ja jetzt auch in einem Seniorenheim lebt (sie ist 88 Jahre alt). Das ist schon eigenartig, wenn zwei so alte Schwestern nebeneinander sitzen, die sich selten sehen….
Übrigens hat Omi an dem Tag , jedenfalls meiner Erinnerung nach, nur zweimal kurz von Tante Ite gesprochen. Sie war auch sehr abgelenkt von all dem Trubel, Antje erlebt da manchmal auch andere Situationen.
Ja, so gingen die zwei angesetzten Stunden schnell vorbei, die Gäste verabschiedeten sich und Omi bedankte sich bei allen. Dann hieß es aufräumen, die Geschenke und die Blumen in Omis Zimmer bringen, alles möglichst so, dass sie nicht unruhig wurde. Sie musste jetzt wirklich zur Ruhe kommen, und wir mussten ja auch an diesem Abend wieder zurück in den Südharz.
Der Abschied von Omi ist immer schwer. Aus dem Zimmer zu gehen, sie im Sessel winken sehen, die Tür zu schließen und zu wissen, dass sie gleich allein ist, tut mir jedes Mal neu weh. Aber es geht ja nicht anders. Wie gut für sie, dass Antje nah ist!
Bei schönem Wetter war die Heimfahrt ein Genuss. Wir nahmen wieder die Route über den Harz, diesmal über Torfhaus, direkt östlich von uns breitete sich der Brocken ganz klar aus - und Tante Hildegard war happy! Das alles kannte sie noch nicht. Sie erzählte uns Anekdoten aus ihrer jungen Ehezeit, die nicht immer wirklich zum Lachen waren - eher zum liebevoll lächeln und zu Herzen gehen lassen. Es war ja Kriegszeit! Aber es war wunderschön, ihr zuzuhören, und die Fahrstunden vergingen wie nix.
Nun freuen wir uns, dass dieses große Ereignis überhaupt stattfinden konnte, dass die Omi es so gut überstanden hat und dass wir nur schöne Erinnerungen daran haben.
So, dies ist nun mein versprochener Bericht über den 95. Geburtstag der Mami-Omi-Uromi-UrUromi Herta Winter.
4 Antworten auf “UrUrOmis 95. Geburtstag - mit Vorspann!”
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29.8.2008 bei 23:19
Liebe Mami,
kaum mehr als drei Stunden alt war dein Bericht, als ich ihn gefunden und gelesen (und für den Rest meiner Familie ausgedruckt) habe, also fast noch druckfrisch und warm wie ein Apfelkuchen …
Da es ja zum Glück noch nicht lange her ist, dass wir die Omi selbst dort erlebt haben (ebenfalls in recht guter, wenn auch nicht gerade dieser großartigen Form), führt uns deine liebevolle und detailreiche Schilderung eures Besuchs bei ihr mitten hinein ins Geschehen. Eure spürbar dankbaren bleibenden Erinnerungen aber bleiben euch direkt Beteiligten vorbehalten, und das ist auch in Ordnung so. In Gedanken waren wir trotzdem dabei!
Tante Hildegards Dabeisein bei diesem Erlebnis (inklusive Vor- und Nachlauf) ist sicher eine wichtige Zutat gewesen, so eine Art Aroma, das ja auch bei Speisen nicht nur während des eigentlichen Verzehrs eine besondere Rolle spielt. Das hat uns gefreut zu hören. Bitte grüßt sie ganz herzlich von uns allen!
Alles Liebe
Torsten
30.8.2008 bei 00:31
Was für ein lebendiger und schöner Bericht, liebe Mami! Ich bin tief bewegt!
30.8.2008 bei 08:36
Danke für den wundervollen Bericht!
Uns hat der Tag in Verden auch unheimlich gut gefallen! Es war so schön Uromi mal wieder zu sehen und so fit zu erleben
27.4.2009 bei 14:52
hallo ihr lieben, es ist so herzerwärmend diesen bericht zu lesen. mittlerweile hat er ja eine andere dimension, wenn ich das so nennen darf… gerne hätte ich euch alle mal aus einem anderen anlass wiedergesehen und nicht erst bei dem abschied von unserer omi, die ich im juli letztes jahr das letzte mal gesehen hatte. (seitdem konnte ich einfach nicht nach verden reisen)
da wir-irgendwie verständlicherweise-beim kaffee alle mit unseren geschwistern und/oder eltern zusammen waren, ergab es sich ja nicht, mal ein paar worte miteinander zu wechseln. vielleicht können wir ja ab und zu mal was schriftliches austauschen, würde mich freuen.
wie man hier irgendwas absetzt, ausser als kommentar-schreiber weiß ich leider nicht, hab das wohl noch nich ganz verstanden… :-))